Glänzender Zwerg mit UMTS: Asus Eee-PC 1003HAG

Eee-PC 1003HAG

Mit der Intel-Atom-Plattform ähneln sich zwar alle Netbooks grundsätzlich wie ein Ei dem anderen, im Detail gibt es aber durchaus Unterschiede. Besonders bunt treibt es der Eee-PC-Produzent Asus, der einen regelrechten Wildwuchs an Modellvarianten produziert. Das Modell 1003HAG, ein naher Verwandter des 1002HA, taucht auf der deutschen Asus-Website gar nicht auf (dafür aber auf der japanischen), wird jedoch über den Mobilfunkanbieter O2 (ab 49 Euro mit Vertrag) vertrieben. Als Besonderheit verfügt es neben Bluetooth und WLAN über ein eingebautes UMTS/HSDPA-Modem von Huawei (ohne Simlock), das sich mit derselben USB-ID meldet wie der Stick E620 desselben Herstellers.

Alle anderen Zutaten vom Atom 270 bis zur 160-GB-Festplatte (hier: Seagate ST9160310AS
MOMENTUS 5400.5) sind
typisch für ein 10”-Netbook. Vergleicht man die Innereien mit der UMTS-fähigen Version des Samsung NC10, ist das 1003HAG zweimal im Vorteil. Auf dem Asus-Board war noch Raum für ein Bluetooth-Modul (AzureWave/Broadcom BT-253), im NC10 nimmt das UMTS-Modul dessen Steckplatz ein. Außerdem funkt das Samsung-WLAN nur nach den Standards b und g, während Asus ein n-Draft-Modul (Atheros AR9285) spendiert, ein einfaches allerdings, das nur im 2,4-Ghz-Band senden kann.

Dafür hat das NC10 eine längere Ausdauer. Der Lithium-Polymer-Akku des 1003HAG (AP21) hält nach Angaben von O2 “nur” fünf Stunden, ist beispielsweise bei Ebay schon als Nachbau von Drittherstellern erhältlich und passt auch in den Eee-PC 1002HA – ein Verwandtschaftsverhältnis, das sich auch bei der Optik bemerkbar macht.

Das Klavierlack-Design möchte zwar edel erscheinen, speichert aber jeden Fingerabdruck; zudem sorgt der glänzende Bildschirmrand für störende Reflexionen. Die Tasten sind versenkt, wie es Sony vorgemacht hat (Asus nennt das wohl “Infusion-Design”), aber nicht so Micky-mäusig, dass sich darauf nicht flott tippen ließe. Das Touchpad ist so groß, wie es eben geht, und versteht Multitouch-Gesten. Der eingebaute 1-GB-Speicher lässt sich nach Lösen zweier Schrauben problemlos gegen einen Chip mit doppeltem Gedächtnis austauschen. Die SIM-Karte wird unter dem Akku eingesteckt.

Unterseite Eee-PC

Netbook-typisch fehlt ein digitaler Monitor-Ausgang, der sich direkt an den DVI-Anschluss oder den DisplayPort eines externen Monitors anschließen ließe. Aus dem analogen VGA-Signal kann mein 23-Zoll-TFT-Display mit1680x1050 Pixeln aber zum Glück ein scharfes Bild zaubern. Der eingebaute 10”-LED-Bildschirm ist matt und zeigt die typischen 1024×600 Pixel Auflösung. Liest man Berichte über andere Asus-Netbooks, muss man befürchten, vor einem recht dunklen Display zu sitzen. Erfreulicherweise leuchtet mein Asus 1003HAG heller, als ich erwartet hatte. Natürlich bleibt die Anzeige sowohl in Sachen Helligkeit als auch bei den Farben hinter einem Top-Display wie jenem des HP 2710p zurück.

HP2710p und Eee-PC

Mit dem Windows-Utility eeectl lässt sich allerdings ein Helligkeits-“Nachbrenner” entfesseln, der das Display Outdoor-kompatibel macht. Auch an der Lüftersteuerung und der Prozessortaktung kann man damit drehen. Da eeectl auf die ersten, noch mit Celeron-Prozessoren ausgestatteten Eee-PCs zugeschnitten war, benötigt man für Atom-270-Netbooks eine angepasste Konfigurationsdatei. Vorlagen finden sich in einschlägigen Foren. Ich habe eine eeectl.ini genommen, mit der sich die Bildschirm-Helligkeit regeln und auch der Lüfter steuern lässt, während das Über-/Untertakten von vornherein deaktiviert ist:

[Settings]
;
; List of modules allowed to save their state.
Core.Save = Fan; Speed;

;
; List of modules to add to system menu.
; List consists of blocks “Name,Mode”.
; See the table above for the list of available modules.
; Mode can be embed(module menu items add right to the menu) or popup(module has its own submenu), default is embed.
Core.Menu = Fan,popup; Backlight,popup; Core;

;
; Hotkeys list
; List consists of blocks “Modifier+Key,Method”
; Modifier can be any combination of a(lt), c(ontrol), s(hift) and w(indows)
; Key can be key name (like “home”, “del”, “g” or “8”) or key code (for example “%1B” for the escape key)
; See the table above for the list of the most useful methods.
Core.Keys = aw+esc,Core._quit; aw+down,Speed._down; aw+up,Speed._up; aw+f3,Backlight._down; aw+f4,Backlight._up; aw+0,Fan._auto; aw+3,Fan.30; aw+5,Fan.50; aw+7,Fan.70;

;
; List of icons to show in the tray.
; List consists of blocks “icon,color”.
; See the table above for the list of available icons.
; Color is 24-bit hex value in BGR format, FFFF00 by default.
Core.Icon = Fan.;Temp.c,00FFFF;

;
; Pause between icon changes, msec.
; Set to 0 to disable automatic icon changing.
Core.IconDelay = 5000

;
; Speed profiles list.
; List consists of blocks “FSB,PCIE,Voltage,Name”.
; FSB is the real FSB frequency (70MHz stock, 100MHz max), not the rated one which is
; this value multiplied by four, or the CPU one, which is this value multiplied by nine.
; PCIE is PCI Express bus clock frequency.
; Voltage is CPU voltage flag, 0 for Low, 1 for Normal.
; This flag is ignored for all(and even named) intermediate values.
; Name is just what to show in the menu(“Suspend” is the special profile to set before entering sleep mode).
; You may omit Name in case you want to hide profile from the menu, however it will still be used as an
; intermediate value.
;
; Note that changing the frequency includes a step-by-step transfer through all intermediate
; values, i.e. if you change the frequency from 70 to 100 MHz and settings contain also 80
; and 95MHz, first the frequency will be changed to 80, then to 95 and only then to 100MHz.
; When comparing, FSB speeds are taken in account first and if they are equal — PCIE speeds get comapared too.
;
Speed.Profiles = 70,99,0,Suspend; 70,99,0,Stock; 71,99; 72,99; 73,99; 74,99; 75,99; 76,100; 77,100; 78,100; 79,100; 80,100; 81,100; 82,100; 83,100; 84,100; 85,100,1,Medium; 86,100; 87,100; 88,100; 89,100; 90,100; 91,100; 92,100; 93,100; 94,100; 95,100; 96,100; 97,100; 98,100; 99,100; 100,100,1,Full;
; Pause between steps in described process, msec.
Speed.StepDelay = 500
; Multiplier for the FSB icon. You may set it to 9 to see the CPU speed in the tray instead of the FSB one.
Speed.FSBIconMul = 1

;
; Fan profiles list.
; List consists of blocks “Speed,C_Temp_On,C_Temp_Off”.
; Speed is the fan speed (0-100).
; C_Temp_On(used in Automatic mode) is temperature(Celsius) when this profile should be activated.
; C_Temp_Off(used in Automatic mode) is temperature(Celsius) when this profile should be deactivated.
; You may set both temp fileds to 0(or just omit them) if you don’t want them to be used in Automatic mode.
Fan.Profiles = 0; 15,50,45; 30,55,50; 40,60,55; 50; 60,65,55; 70; 80,70,65; 90; 100,75,60;

;
; Backlight profiles list.
; List consists of blocks “Name,Value”.
; Name is just what to show in the menu.
; Value is the backlight brightness intensity(0-100).
Backlight.Profiles = Really Saving,10; Saving,30; Medium,50; Good for Eyes,70; When Outside,100;

[States]

Fan.Mode=2
Fan.Speed=15

Es soll Nutzer geben, die mit eeectl ihr Netbook kaputt getunt haben. Asus will in solchen Fällen keine Gewähr leisten. Sicherer fährt man das mit Asus’ eigener Super Hybrid Engine (kurz: SHE), die bereits vorinstalliert war und eine stufenweise Regulierung der Systemleistung erlaubt. Der Lüfter rauscht ohnehin erfreulich leise; mit eecetl ist er allerdings noch ruhiger. Nach meiner Erfahrung wird das Netbook dennoch nicht zum Hitzkopf; das heißeste Teil ist ohnehin der zwergenhafte Netz-Adapter. Allerdings scheinen sich eeectl und SHE nicht zu vertragen. Deshalb sollte man darauf achten, dass immer nur eines der beiden Tools aktiv ist und das andere auch aus den Autostarts gelöscht wird.

Das vorinstallierte Windows XP Home läuft ab Werk überraschend geschmeidig; Asus legt sogar eine Recovery-DVD bei. Der installierte Connection Manager für UMTS kennt nicht nur O2, sondern auch andere Provider. Die Performance fühlt sich an wie vor fünf Jahren mit einem Pentium-M-Prozessor gleicher Geschwindigkeit.

Der Vergleich mit einem ungleich teureren ULV-Prozessor von Intel bietet sich natürlich an, zumal mit dem HP 2710p das richtige Vergleichsobjekt bereits steht. Der im HP verbaute und ebenfalls auf Energiesparen getrimmte ULV-Prozessor U7600 – ULV steht für Ultra low voltage – taktet zwar im Gegensatz zum 1,6 Ghz schnellen Atom des Eee-PC nur mit 1,2 Ghz. Dafür hat der 64-bittige U7600 aber 2 GB Level-2-Cache und ist ein echter Doppelkern-Prozessor (Core 2 Duo); der 32-Bit-Atom ist nur mit 512 KB Cache bestückt und muss mit einem Kern auskommen. Das macht ihn im praktischen Betrieb (gefühlt, nicht gemessen) langsamer.

Zwar erledigt der Atom alle gewöhnlichen Arbeiten ausreichend schnell, auch Flash-Filme im Firefox und SD-Videos auf dem Media Player laufen auf der Chipsatz-Grafik ruckelfrei. Im Vergleich zum Doppelkern-Prozessor kommt er aber leicht ins Stocken, wenn parallel laufende Anwendungen um Ausführung buhlen. Ein typisches Beispiel: Das Anti-Viren-Programm, dass im Hintergrund die Festplatte nach Übeltätern scannt und als Geschwindigkeits-Bremse wirkt.

Dieses Erlebnis spare ich mir allerdings, denn auf meinem EeePC soll Linux laufen. Nachdem das Asus-Update-Utility also unter Windows ein neues BIOS geholt hat, ist es auch schon Zeit für die Pinguin-Installation. Mehr darüber im nächsten Posting.

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