Kategorie-Archiv: Medien

Post von Major T.O.M. aus dem Cyberspace der VG-Wort

Suchmaske der VG Wort: Wer suchet, der findet, nämlich möglichst viele Zählmarken mit erreichtem Mindestabruf

Suchmaske der VG Wort: Wer suchet, der findet, nämlich möglichst viele Zählmarken mit erreichtem Mindestabruf

Alle Jahre wieder bekommen Blogger und Online-Publizisten, die einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort geschlossen haben, elektronische Post von T.O.M. (Akronym für „Texte online melden“). Ungeachtet der aktuellen Turbulenzen um die Verwertungsgesellschaft wird es Zeit, auf Webseiten, als PDF oder ePub publizierte Werke mit urheberrechtlicher Schöpfungshöhe geltend zu machen – sofern sie denn innerhalb eines Kalenderjahres die nötige Abrufzahl erreicht haben. Wer eine positive Mail bekommt, darf sich sicher sein, dass zumindest ein eigener Text im vergangenen Jahr den „Mindestzugriff“ bzw. den „anteiligen Mindestzugriff“ erreicht hat. Das lohnt sich durchaus, denn im Vergleich zum Vorjahr werden die ausgeschütteten Mittel praktisch verdoppelt.

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Ist die VG Wort noch zu retten? Und wenn ja, warum?

VG_WORT_Geschaeftsgericht

Eigentlich müsste es der VG Wort in diesen Tagen goldig gehen. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit der Geräteindustrie kann die Verwertungsgesellschaft, die Vergütungen für Vervielfältigung und Verleih urheberrechtlich geschützter Texte an rund 179.000 Autoren und 1000 Verlage ausschüttet, für das Geschäftsjahr 2015 Einnahmen von 305 Millionen Euro bilanzieren; die Drucker-Hersteller zahlten rückwirkend für 2001 bis 2007 155,5 Millionen Euro Tantiemen nach. Ein ähnlicher außergerichtlicher Vergleich mit den PC-Herstellern, der fürs nächste Jahr einen weiteren Geldsegen verspricht, wurde gerade erst geschlossen. So schön könnte die Welt sein. Doch die VG Wort, der Rechtsform nach ein Verein, der die Interessen von Verlagen und Autoren gemeinsam wahrnimmt, steckt in der größten Krise ihrer 58-jährigen Geschichte und vor einer Zerreißprobe, die sie vielleicht nicht überleben wird. Weiterlesen

Krautreporter: Das spannendste ist das Design

Krautreporter-Website am 24. Oktober 2014 (Screenshot)

Im Juni sammelten die Krautreporter über eine Million Euro per Crowdfunding ein. Seit heute ist ihr Online-Magazin für die Öffentlichkeit freigeschaltet, auch für Nicht-Mitglieder – das ist Teil des Konzeptes. Einen journalistischen Eröffnungs-Knaller haben die Krautreporter allerdings nicht zu bieten; das spannendste an der frischen Website ist das Design. Weiterlesen

Sueddeutsche.de nutzt Web-Fonts und bricht mit einer Designer-Bauernregel

Dreierlei Schriften für sueddeutsche.de zum Vergleich: oben Original-Fließtext mit SZ Serif, darunter SZ Sans und ganz unten Arial (Schriftarten durch CSS-Manipulation abgeändert)

Web-Fonts sind bei Designern gerade en vogue. Sie lösen das Dilemma, dass Browser nur die auf dem Computer des Nutzers installierten Schriften nutzen können, indem die Schriften direkt aus dem Netz nachgeladen werden, und erschließen dem Web damit die ganze Welt der Typographie – zumindest in der Theorie. In der Praxis hapert es noch an unterschiedlichen Implementierungen und am Vermögen der einzelnen Browser. Für ältere Browser, die nicht mit Web-Fonts umgehen können, sollte der Designer als Fallback eine ähnliche Standard-Schrift vorsehen.

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Bild, Porno, „Mein Kampf“ und die Papier-Nostalgiker

Christian Stöcker, Leiter der Netzwelt bei Spiegel Online, hat bei Vocer („Voice of the Critical Media“) einen kulturkritischen Artikel über den Wandel von Print- zu digitalen Medien publiziert. Darin versucht er zu zeigen, wie eine Generation von Papier-Nostalgikern die Online-Zukunft negiert. Es ist ein anderer Text als die typischen „Warum begreift keiner außer mir dieses Internet-Dingens?“-Rants über ewig gestrige Kollegen und Verlagsmenschen, die der It-Blogger Thomas Knüwer (It wie It-Girl, nicht Informationstechnologie) publiziert, und doch läuft es auf dasselbe hinaus. Stöcker schreibt:

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Absurd oder praktisch: Ein Handbuch für Krisenjournalisten, Touristen und andere Gefahrensucher

In Marcel Ophüls‘ hauptsächlich in Sarajevo spielendem Dokumentarfilm The Troubles We’ve Seen aus dem Jahr 1994 wirkte die Kriegsberichterstattung noch wie das exklusive Privileg eines heldenhaften Journalisten-Adels. In den krisenhaften 2000er Jahren ließen sich die Nachfolger von Peter Scholl-Latour, dem Kara Ben Nemsi der deutschen Nahost-Berichterstattung, bereits in Trainingscamps für den Einsatz in Afghanistan, dem Irak, Sudan und anderswo ausbilden. Die letzte Stufe hin zum allgemeinen Krisen-Tourismus zündet nun ein Buch der britischen Journalistin Rosie Garthwaite.

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Wir verschenken uns an Gruner+Jahr … oder doch lieber nicht

FotoIdeen haben wir eine ganze Menge. Mein Kollege R. serviert mir fast jeden Morgen mit dem ersten Kaffee mindestens ein neues Web-Projekt oder Inhalts-Konzept frei Haus: „Man müsste mal …“, „Könnte man nicht …“ Dann spielen wir ein bisschen Ideen-Pingpong, bis irgendein Spielverderber auf die Idee kommt, darüber zu reden, was die Realisierung kosten würde. Zum Glück tauchte neulich aber ein Engel auf, und der heißt – oh Wunder – Gruner+Jahr: Der Hamburger Großverlag hat eigens einen Ideen-Wettbewerb namens Grüne Wiese ausgerufen, um „die Medienidee des Jahres“ zu finden.

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Unter Sportjournalisten

Dirk Nowitzki, Peking 2008

Bevor ich in zwei Wochen schon wieder zurückfahre, will ich es wenigstens mal gebloggt haben: Genau wie mein Vornahmensvetter Dirk „Gert“ Nowitzki bin ich auch in Peking, allerdings nicht als teutonischer Fahnenträger und Basketball-Held. Ich bin nur einer aus dem angeblich 25.000 Köpfe starken Ameisenvolk der Journalisten (davon akkreditierte 5.600 Printmenschen like me und 12.000 $$$-lizenzierte Radio- und Fernsehleute), das an Chinas opulenten Olympiastätten knapp 11.000 Sportler beim olympischen Wetteifern beäugt. Das nennt man wohl ein gesundes Missverhältniss.

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Widde-widde-witt, singt Pippilotta deluxe

Zeitschriftentitel: emotion, Gruner+JahrAltbundeskanzler Helmut Schmidt wird das Bonmot zugeschrieben: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Tatsächlich bauen heute ganze Wirtschaftszweige auf Visionen. Das nennt man Marketing. Die Zeitschriften-Branche zum Beispiel visioniert ständig neue Zielgruppen an, für die dann entsprechend neue Magazine „entwickelt“ werden. Wenn sich herausstellt, dass es diese Zielgruppe doch nicht gibt, dann wird das Magazin eben wieder eingestellt. Was soll’s, dumm gelaufen.

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