China-Phones: Backup, Root, Recovery mit Hausmitteln

MediaTek-Selbstdarstellung: Jedes dritte Smartphone weltweit mit MediaTek-Technik
MediaTek-Selbstdarstellung: Jedes dritte weltweit 2014 ausgelieferte Smartphone mit MediaTek-Technik

Groß ist die Zahl der Niedrigpreis-Smartphones mit Dual-SIM-Fähigkeit, die von China aus den Markt überfluten und zunehmend auch im „Rest der Welt“ Verbreitung finden – obwohl Marken-Namen wie Kingsing, Dodgee oder Elephone noch sehr ungewohnt und seltsam quietschig klingen. So bunt und verwirrend die Vielfalt erscheinen mag – fast alle Hersteller bauen wegen der geringen Kosten auf die Chipsatz-Plattform des taiwanesischen Herstellers Mediatek. Und weil das so ist, kann man auch fast allen China-Smartphones mit denselben „Hausmitteln“ zu Leibe rücken, um sie zu flashen oder an ihrer Software herumzubasteln. Frei nach dem Motto: Kennste eins, kennste alle.

Das heißt nicht, dass sich ein ROM für das Gerät X einfach auf das Gerät Y flashen ließe. Wobei: Flashen lässt es sich womöglich schon, aber danach startet Gerät Y nicht mehr. Schlimmer noch: Selbst bei gleichen Modellbezeichnungen produzieren Hersteller gerne mal verschiedene Hardware-Revisionen, die dann unterschiedliche ROMs benötigen. Auch hier ist keine Austauschbarkeit gegeben. Die erste Regel lautet also: Nur ROMs, Recoverys, Kernels etc. flashen, die wirklich für mein Modell gedacht sind!

Leider nehmen es Chinas Smartphone-Hersteller auf ihren Websites mit dem Kundenservice und der Bereitstellung „amtlicher“ Downloads nicht so genau, und im inoffiziellen Download-Verzeichnis Needrom verderben viele ROM-Köche womöglich noch den Brei. Hinzu kommt die Sprachbarriere. So ist man als China-Phone-Eigner auf Erfahrungen anderer Nutzer in europäischen Foren oder Blogs angewiesen. Alternative ROMs gibt es ohnehin kaum, zumal MediaTek seine Treiber für die Open-Source-Community lange Zeit unter Verschluss gehalten hat und kommerzielle chinesische Android-Forks wie Lewa-OS und Miui nur eine begrenzte Zahl von Geräten unterstützen. Erst zu Jahresbeginn hat CyanogenMod bekannt gegeben, zum ersten Mal offizielle Builds für die Mediatek-Plattform bereitzustellen, und zwar für Googles neuer Low-Budget-Reihe Android One, die in Indien und anderen asiatischen Ländern vertrieben wird. Im Laufe des Jahres 2015 haben chinesische Hersteller wie OnePlus, Elephone und Blackview Ports von CyanogenMod 12 für einzelne Modelle angekündigt (ja, chinesische Hersteller kündigen viel an) oder vielleicht sogar eingeführt.

Was bedeutet Scatter-File?
Wer sein Mediatek-Smartphone trotzdem flashen will, um es zumindst zu rooten und mit einer Custom Recovery zu versehen, wird früher oder später auf den Begriff Scatter-File stoßen. Dabei handelt es sich um eine simple Textdatei, in der alle blockorientierten Geräte („Block devices“), also Speichergeräte, verzeichnet sind, die das Smartphone verwendet. Wer auf unixoiden Betriebsystemen wie Linux oder auch OS-X zu Hause ist, kennt das Konzept der Gerätedateien: In Linux steht beispielsweise /dev/sda1 für die erste Partition der ersten SATA-Festplatte eines Computers. Die zweite Partition wäre dann sda2, die zweite Festplatte hieße sdb usw. Auch Android verwendet ja einen Linux-Kernel. Fest verbauter Flash-Speicher bzw. dessen zahlreiche Partitionen wird/werden als Speicher-Geräte angesprochen und ins System eingehängt (gemountet).

Wir können uns die Scatter-Datei also als ein „Inhaltsverzeichnis“ des Smartphone-Speichers vorstellen, mit genauen Adressangaben, wo jeder Speicherblock beginnt und wie lang er ist.

Was macht der Preloader?
Mediatek-Smartphones werden in ausgeschaltetem (!) Zustand geflasht. Verbindet man das eingeschaltete Smartphone mit dem Computer, wird es – je nachdem, welche Aktion für die USB-Verbindung in Android gewählt wurde – entweder nur geladen oder als externes Laufwerk bzw. MTP-Gerät angebunden. Um das Gerät zu flashen, schaltet man es also aus und verbindet es dann über das USB-Kabel mit einem Computer. Dann startet im Smartphone der Preloader. Startet er nicht, können zusätzlich zum Ausschalten des Gerätes noch weitere Aktionen nötig sein:

  • Eine Lautstärke-Taste – in der Regel die Lauter-Taste – muss vor der Herstellung einer USB-Verbindung mit dem Computer betätigt werden und solange gedrückt bleiben, bis das Logo erscheint.
  • Wechselt das Smartphone trotzdem in den Lade-Modus, muss der Akku eventuell herausgenommen werden.
  • Bei Geräten mit fest verbautem Akku muss – falls vorhanden – ein versenkter Reset-Taster mit einem spitzen Gegenstand gedrückt werden.

Troubleshooting
Wenn die Preloader-Verbindung partout nicht hergestellt werden sollte, muss man ein anderes USB-Kabel, einen anderen USB-Port am Computer oder sogar einen anderen Computer durchprobieren. Beim meinem Blackview Crown zickte das vom Hersteller beigelegte USB-Kabel – ein fremdes USB-Kabel stellte die Verbindung hingegen problemlos her, ohne dass der Akku gezogen oder die Lauter-Taste gedrückt werden musste.

Das waren die Basics für den Umgang mit Mediatek-Smartphones. Im nächsten Artikel werden die „Hausmittel“ – namentlich das Smartphone Flash Tool (kurz: SP Flashtool) samt VCOM-Treiber für Windows sowie die MTK Droid Tools samt Android Debug Bridge (ADB) – ausführlich vorgestellt.

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